Von Tomelilla nach Vinslöv

Es regnet, der Himmel ist ohne jegliche Struktur grau, die Wolken hängen tief, es sieht nicht nach Besserung aus. Ich packe meine Tasche im Zelt und es dauert wieder unheimlich lange, bis der Schlafsack in die Tasche gequetscht ist. Mein Kollege wartet mit dem Frühstück im Festzelt auf mich. Ein Glück steht das da. Draußen regnet es weiter, ich packe meine Überschuhe aus, aber das klappt so niemals. Die unteren Haltebänder sind im Weg, so komme ich nicht in die Pedale.

Radeln mi Überschuhen und zu viel Gepäck für die dünnen Reifen

Ich schneide sie mit dem Taschemesser weg, ritze mir dabei in den Finger, es blutet zwar nicht, ist aber an einer empfindlichen Stelle, tut noch tagelang weh. Ich fange an mich zu bedauern. Wir falten das Zelt im Festzelt, mein Kollege hat es vorher mit einem eigens dafür mitgebrachten Handtuch abgewischt, das seine Frau ihm zum Glück noch aufgeschwatzt hat. Sehr vorausschauend. So geht es einigermaßen. Momentan regnet es auch nicht und wir suchen jemanden, bei dem wir bezahlen können.

Diese Karte zeigt einen ungefähren Überblick über die gefahrene Tagesetappe:

Mein Kollege hatte vorhin schon von einer netten Putzfrau erzählt, die sich hier im Schwimmbad wohl in den Schulferien Geld verdient. Jetzt sitzt sie in der Kasse, aber für den Campingplatz müssen wir in den Laden oberhalb des Schwimmbads gehen, den wir gestern gar nicht bemerkt hatten. Uns hatte auch niemand bemerkt, wir hätten auch fahren können, ohne die 60 Kronen zu bezahlen. Ich warte unten bei den Rädern, sehe in meinem Regenzeug bescheuert aus und frage mich, was die Leute wohl denken mögen, wenn sie mich so sehen.

Unterwegs in Südschweden

Die vier Kilometer zurück bergauf zu unserer geplanten Strecke schaffen wir besser, als ich gestern befürchtet hatte. Allerdings ist die Straße nass und das Wasser spritzt hoch. Wir finden den Radweg wieder, durchfahren eine wunderschöne Hügellandschaft, aber irgendwann sind lange keine Schilder mehr zu sehen. Plötzlich geht ein ziemlicher Schauer runter, zum Glück können wir uns auf einem Bauernhof unter einem Baum unterstellen. Ich sehe schwarz, aber irgendwann können wir weiter fahren und haben die Pause genutzt einen Schokoriegel zu essen. Irgendwas stimmt hier nicht. In „Bullerbü“ und „Ferien auf Saltkrokan“ schien im Sommer immer die Sonne, und niemals war der Himmel so grau wie hier. Das Schwedenbild meiner Jugend wird gerade gründlich gerade gerückt.

Wir fahren weiter, kommen an einer Hauptstraße heraus und das ist verkehrt. Mein Kollege will erst nicht umkehren, weil es zurück bergauf geht, lässt sich aber überreden. Nach kurzer Zeit geht es auch wieder schön berg ab. Er holt die Karte raus, und wir verlassen uns ab jetzt nur noch auf uns und nicht mehr auf die Radwegschilder.

Die Gegend ändert sich, die Felder werden kleiner, es gibt mehr Wald, plötzlich sind wir wieder auf dem Radweg. Es ist schon eine Weile immer bergauf gegangen, jetzt geht es auf einmal ganz lange nur noch den Berg runter. Unten im Tal ist ein großer Markt. Unheimlich viele Menschen und Autos, wo kommen die bloß alle her?

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Hofverkauf

Anscheinend wird der Hausrat eines Hofs verkauft, der auch bald unter den Hammer kommt. Ich muss an die Episode von „Michel in Lönneberga“ denken, wo er mit seinem Vater auch so einen Hofverkauf bei Leuten besucht, die nach Amerika auswandern. Er kauft anscheinend nur nutzlosen Plunder, bekommt dafür von seinem Vater Schimpfe, aber zu hause entpuppt sich alles als nützlich. Bei diesen Jugenderinnerungen genieße ich die tolle Abfahrt, auch wenn ich mir wegen dem Gepäck nicht so sicher bin, ob ich wirklich schnell fahren soll.

Wir kommen in einem Ort heraus, fahren direkt auf eine Pommesbude zu, und nutzen das Angebot um Energie zu tanken. Wir sitzen draußen auf Plastikstühlen, die Sonne kommt raus, wir kommen mit einem schwedischen Familienvater ins Gespräch, der gerade seinen Kindern Eis ausgibt. Als wir wieder losfahren merke ich, dass ich hier schon mal gewesen bin. Das was wir diesmal in zwei Tagen machen, habe ich vor drei Jahren an einem Tag geschafft, und mich natürlich auch gleich übernommen. Genau, oben auf dem Hügel ist so eine Art Schloss das ich wiedererkenne.

Ein Schloss

Wir halten auf halber Höhe an und kaufen in der Touristeninformation eine neue Radkarte für diesen Abschnitt des Weges, damit wir endlich wissen, wohin wir geführt werden.

Der Radweg geht unten am Berg weiter. Hätte ich das doch nur damals gewusst. Wir kommen in die gleiche Ebene, durch die ich auch schon gefahren bin. Damals hatte ich allerdings irgendwie noch mal Kraft bekommen. Jetzt nervt der Gegenwind, oder war es nicht damals auch so, und es ging erst gut, nachdem ich Richtung Ahus abgebogen war? Jetzt zeigen auch wieder viele Schilder dahin, aber mein Kollege möchte nach Vinslöv. Er verschätzt sich einige Male mit der Entfernung, wir schaffen es aber irgendwie, ich hauptsächlich, weil ich in seinem Windschatten fahren kann. Ich bin doch irgendwie eingerostet in den letzten drei Jahren. Das flache Münsterland ist einfach kein gutes Trainingsgebiet für solche Touren.

In Vinslöv ist es dann mal wieder gar nicht so einfach, den Campingplatz zu finden. Er ist ziemlich klein, ein Mann kommt aus einem Wohnwagen und zeigt uns wo wir das Zelt aufbauen können. Das machen wir dann auch, essen etwas, duschen, und gehen dann zu Fuß in den Ort. Wir finden einen Konsum, kaufen uns ordentlich was zu trinken und zu knabbern, setzen uns in den Park in die Abendsonne, trinken unsere Fanta und lassen es uns gut gehen.

Zeltplatz in Vinslöv

Ich bringe die leere Flasche zurück und dann gehen wir langsam zurück zum Campingplatz. Wir planen noch die Route für morgen und legen uns danach ins Zelt. Heute sind wir 106 Kilometer gefahren.

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