Madrid

Um 3.30 Uhr aufstehen! Ich wusste gar nicht, dass es diese Zeit überhaupt gibt. Aber was tut man nicht alles, damit man im März in den warmen Frühling nach Madrid reisen kann. Unser Flieger war ziemlich klein, so eine Zigarre von Bombardier. Zwei Sitze links und zwei rechts. Wir haben eine Reihe hinter den Notausgängen gesessen. Ziemlich laut, wie sich nachher rausgestellt hat, und ziemlich eng. Aber prima graue Ledersitze. Hab mich nicht unwohl gefühlt. Ich glaube es war schon hell als wir auf die Startbahn gerollt sind. Es waren noch ein paar Flieger vor uns dran, aber dann ging es steil in den Himmel, Richtung Paris und von da nach Madrid. Der Flieger war kaum grade in der Luft da kam auch schon das Frühstück.

Dann muss ich wohl eingeschlafen sein, denn als ich das nächste Mal aus dem Fenster sah, haben wir schon ein paar Runden über Madrid gedreht und es sah von oben so aus wie all die Ferienorte, die ich im Süden schon angeflogen bin. Es schien ein bisschen bedeckt zu sein, jedenfalls waren da so Schleierwolken und nach der Landung war die Sonne auch nicht zu sehen. Die Leute sind zwar nicht so hektisch aufgesprungen wie im Ferienflieger und haben die Anschnallzeichen beachtet, aber sie sind doch ziemlich schnell raus gegangen und mussten wieder im Bus auf uns warten.

Das Gepäck war schnell da, der Bus der Linie 200 fuhr auch grade am Eingang vorbei, wir sind hinterhergelaufen und haben ihn noch erwischt. 2 Euro für 2 Personen, da konnte man ja nicht meckern. Wir sind im Affenzahn durch die Vororte gebraust, ab und zu haben wir einen blühenden Baum entdeckt. Also: hier ist Frühling. Der Bus ist in einen Tunnel gefahren und da war ein riesiger unterirdischer Busbahnhof mit U-Bahnanschluss. Die Bahn ist sofort gekommen, leider waren da wenige Sitzplätze und wir mussten die ganze Zeit stehen. Von Madrid hat man natürlich nichts gesehen, nur schwarze Wände und neonbeleuchtete Bahnhöfe. Aber egal, auch das mit dem Umsteigen hat geklappt und wir sind an unserer Station Antón Martin ausgestiegen. Erst mal überlegen in welche Richtung, die Treppen hoch, fast die Köpfe an der niedrigen Decke gestoßen und dann die Überraschung: Regen. Da sind wir tatsächlich nach Madrid gefahren damit es regnet. Aber nur so leicht, nicht ganz so heftig. Na jedenfalls haben wir schnell den Weg gefunden, sind die Straße hoch und nach rechts abgebogen und ganz hinten, das Haus mit dem gelben Schild Hostal Gonzalo mit der Baustelle direkt daneben, da mussten wir hin. Schwere Holztür auf, ein paar Treppenstufen hoch, in den uralten Aufzug gequetscht und in den dritten Stock.

Der Herr Gonzalo war grade dabei zu telefonieren und hat uns zu einer Sitzgruppe gebeten, wo wir auf ihn gewartet haben. Dann ist er gekommen und hat uns gesagt sein Bruder, dem das Hostal gehört, hätte uns für ein Appartement in der Nähe vorgesehen. Würde genauso viel kosten wie das Zimmer, wir hätten Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche und Bad und ob wir einverstanden wären. Mir hat die Idee gut gefallen und so hat uns der Herr Gonzalo mit unserem Koffer wieder in den Aufzug gesteckt, ist selber die Treppe runter gelaufen weil er nicht mehr mit hinein gepasst hätte und hat uns den Koffer bis zum Haus Nummer 3 gebracht. Mit dem Aufzug ging es in den 4. Stock in eine kleine Wohnung die er uns gezeigt hat. Für den Strom musste man eine Karte die am Schlüssel hing in einen Schlitz stecken. Wir sollten die Tür aber immer abschließen, auch wenn wir drinnen wären. Es war jedenfalls alles prima, besonders hat mir der Gedanke gefallen, dass uns hier morgens keine Putzfrau stören würde und wir uns selber Frühstück im Schlafanzug machen konnten.

Der Herr Gonzalo ist gegangen und hat noch gesagt wir sollen am Sonntag zum zahlen vorbeikommen. Nach einem kleinen Schlummer wollten wir dann endlich was von Madrid sehen. Erst mal habe ich aus dem Fenster auf die Straße geschaut. Der Regen hatte aufgehört, der Himmel war zwar noch bedeckt, aber ich bin einfach mal ein Risiko eingegangen und habe keine Regenjacke angezogen. Die Tür mussten wir gründlich abschließen, das hat uns der Herr Gonzalo aufgetragen, die Stimme im Aufzug hat uns angesagt, dass wir unten angekommen sind, da habe ich mich ziemlich drüber erschrocken. Neben dem Eingang saß eine Concierge.

Unsere Straße, die Calle de Cervantes, war so eine Art Fußgängerzone. Theoretisch konnten wohl auch Autos fahren, aber für die meisten war es gesperrt. Unter jedem Platz haben die Madrilenen einen Parkplatz gebaut, und so stehen gar nicht viele Autos herum. Gleich gegenüber von unserem Haus war ein kleiner Obstladen, wir sind einfach nach rechts und wieder nach links und wieder nach rechts und wieder nach links gegangen oder auch anders herum. Auf den Stadtplan habe ich erst mal nicht geschaut. Meine Tasche habe ich immer nach vorne gehängt, damit mir die Taschendiebe nichts herausholen können. Ja und plötzlich war da ein Café das hieß „Miau“. Das hat mir natürlich besonders gefallen, weil ich Katzen mag.

Miau

Das Miau an der Plaza Santa Ana

Erst habe ich mich nicht richtig getraut da hinein zu gehen, keine Ahnung was man da sagt und was es da gibt und ist das wohl teuer. Also erst mal auf die Karte geschaut. Zwar nichts verstanden, aber trotzdem reingegangen. Wir haben uns gleich einen Platz am Fenster anweisen lassen mit dem Blick auf die Plaza St. Ana aber das wussten wir da noch nicht. Die schwarzhaarige Spanierin hat uns die Speisekarte gebracht, aber da war nichts für uns dabei. Nach ein paar Verständigungsschwierigkeiten hat sie noch die kleine Karte gebracht die auch draußen aushing. Wir haben Toast mit Käse bestellt und Café con Leche. Da kam ein getoastetes Graubrot mit dick Blauschimmelkäse drauf und wir waren unsere ersten Euros los.

Na und dann sind wir raus, einfach so geschlendert, das Wetter wurde immer besser, von Platz zu Platz. Auf dem Plaza Jacinto Benavente standen so ältere Damen in Stiefeln herum, manche sahen auch ganz normal aus wie Hausfrauen. Haben wohl auf die Beamten der umliegenden Ministerien gewartet. Die Polizei hat sich um die südamerikanischen Straßenhändler gekümmert und wir haben die Stadt genossen.

Madrid

Madrid

Aber auf dem Weg lagen noch einige Geschäfte. In einem Keksladen haben wir Kekse gekauft, in einem Schmuckladen haben wir eine Blume geschenkt bekommen.

Geschäfte in denen Frauen verschwinden

Geschäfte in denen Frauen verschwinden

Und dann haben wir es endlich auf die Plaza Major geschafft. Der war noch ganz leer, ein Spiderman in einem schlecht gemachten Kostüm ist da herum gesprungen und eine Flamencotänzerin hat auf einem Brett gestanden und zur Gitarre mit den Füßen gestampft.

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Plaza Major

Plaza Major

Die Sonne ist herausgekommen, wir sind einmal um den Platz gegangen, mussten uns aber auf der anderen Seite vor den Kellnern in Acht nehmen, die uns in ihr Lokal ziehen wollten. Wir haben uns mitten auf dem Platz in die Sonne gesetzt. Da war so ein Rondell mit Bank drum herum. Wir haben die Kekse ausgepackt, alles durchprobiert und die Wärme und die Tatsache genossen, dass wir hier in Spanien sind. Und interessant. Obwohl wir heute um halb 4 Uhr aufgestanden sind, war ich noch gar nicht müde. Wir sind durch einen Durchgang vom Platz gegangen und plötzlich ist mir aufgefallen dass das der Blick war von dem Foto vorne auf dem Reiseführer. Ich hatte mich beim Kauf schon gefragt warum die diese unspektakuläre Kirche aufs Titelblatt bringen, hatte aber nicht gewusste, dass sie in der Nähe von der Plaza Major ist.

Titelbild Reiseführer

Titelbild Reiseführer

Gut. Wir sind weiter geschlendert, an einem Parkhaus vorbei mit seltsamen Wasserspielen und plötzlich eröffnete sich der Blick in Tal als wir dem Anblick einer Kuppel der Kathedrale von Madrid gefolgt sind.

Kathedrale von Madrid

Kathedrale von Madrid

In die sind wir sogar hinein gegangen. Nicht sehr viel Gold drin wie sonst wohl in spanischen Kirchen, also noch relativ jung. Die Lautsprecher von Bose, Flachbildschirme und ein schönes Muster unter der Decke.

Flachbildschirme und Lautsprecher von Bose

Große Flachbildschirme und Lautsprecher von Bose in der Kathedrale von Madrid

Kitschige Heiligenbilder und elektrische Kerzen. Wir sind einmal rund gegangen, haben ein bisschen gesessen was sehr gut tat und sind raus um einen Blick auf den Palacio Real de Madrid zu werfen. Das musste er wenigstens sein, wenn wir den Reiseführer richtig gelesen hatten. Ein Foto durch das große Gitter, das war es.

Palacio Real de Madrid

Palacio Real de Madrid

Wir sind langsam zurückgegangen. Irgendwann waren wir wieder unter Menschen, wir brauchten Kaffee und Sonne. Im Café unserer Wahl war noch kein Platz frei. Deshalb haben wir erst gegenüber auf krummen grünen Stühlen gewartet. Nicht lange, da konnten wir uns rüber setzen und den Café con Leche genießen. Sehr interessanter Platz.

Endlich Kaffee

Endlich Kaffee

Wir sind unterhalb der Plaza Major zurückgegangen, haben die Plätze wiedererkannt und so haben wir unsere Straße wiedergefunden. Ich hatte die Orientierung schon fast ein bisschen verloren. Kurz vor der Wohnung sind wir noch auf einen kleinen asiatischen Supermarkt gestoßen. Haben ziemlich wenig für ziemlich viel Geld eingekauft. Hauptsächlich für das Frühstück. Brot, Wasser und Marmelade. Gegenüber im Käseladen haben wir noch eine spanische Spezialität eingekauft. Ja und nach ein bisschen Ausruhen in unserem Appartement sind wir zurück zur Plaza St. Ana gegangen. Da wussten wir aber immer noch nicht, dass die so heißt. Es war schon ein bisschen was los, aber wir konnten uns nicht so recht entscheiden wo wir was essen sollten.

Abends auf der Plaza Santa Ana

Abends auf der Plaza Santa Ana

Ins Miau wollte ich nicht schon wieder, also haben wir uns zu einem anderen Lokal auf die Plaza gesetzt, aber es kam keiner oder ich wusste nicht was ich bestellen sollte. Ich habe die Esskultur einfach nicht verstanden. Wir sind wieder aufgestanden und um den Platz gegangen. Auf der anderen Seite stand was von Paella draußen auf der Tafel. Leider hat uns der Kellner gesagt, dass es vor halb 8 nichts Warmes zu essen gibt und da sind wir wieder gegangen.

Gut. Was jetzt. Wir haben neben dem Miau ins Schaufenster geguckt und da gab es einen russischen Salat der ganz gut aussah und da habe ich gesagt da gehen wir rein, denn draußen wird es langsam auch zu kalt und so sein wir rein und haben uns einen Platz gesucht. Die Kellner hatten weiße Jacken an und haben wichtig getan. Leider war derjenige der für uns zuständig war etwas schusselig. Tausend mal ist er hin und hergelaufen bis er einen Tisch bedient hatte und es hat ewig gedauert bis er bei uns war. Den Salat und Tortilla habe ich bestellt, und Fritten wollten wir haben, aber da haben wir Chips bekommen, so richtige, die man abends auf dem Sofa isst. Mein russischer Salat lag mir mit dem Eierzeug der Tortillas ziemlich schwer im Magen. Eigentlich alles zuviel, aber ich bin wenigstens satt geworden und es war ein langer Tag. Ich habe mir Sorgen gemacht weil mir eingefallen ist, dass das Zeug schon seit Morgens im Schaufenster gestanden hat und die Bakterien den ganzen Tag Zeit hatten sich zu vermehren. Ist aber nichts passiert. Es hat noch eine Weile gedauert bis der Kellner die Rechnung gebracht hat, dann konnten wir gehen.

Wieder draußen haben wir uns durch die Straßen treiben lassen, einfach da hin wo die anderen gegangen sind oder dahin wo viele herkamen. Plötzlich waren wir an einem großen Platz, Plaza Puerta del Sol mit U-Bahnstation. Haben wir später herausgefunden. Hier haben sich anscheinend alle Madrilenen getroffen um in die Bars auszuschwärmen. Es war sehr voll und wir sind eine breite Einkaufsstraße hinauf gegangen. An den Seiten standen Frauen, die sich da anscheinend anboten. Eine zeigte grade ihren Hintern einer Gruppe junger Männer und eine andere sprach ziemlich offensiv ältere Männer auf der Straße an. Es war schon ein bisschen ekelig. Oben haben wir umgedreht, sind wieder zurück zu Sol, sind eine andere Straße hinauf als wir herunter gekommen sind und haben unseren Platz erst nicht gefunden. So ganz zufrieden waren wir noch nicht, also haben wir in eine ziemlich urige Bar hinein geschaut und sind nach einer Runde um den Block hinein gegangen. Wir haben einfach an der Bar gestanden und 2 kleine Bier bestellt, standen zwischen den ganzen Menschen, haben ein Schälchen mit gebratenen Pilzen bekommen und so langsam sind wir in Madrid angekommen.

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